KANN ANGST AUF HUNDE ÜBERTRAGEN WERDEN?

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“Zeig doch keine Angst, dein Hund wird sich das abgucken.” So oder so ähnliche Sätze hören wir oft im Alltag mit dem Hund von anderen Hundehaltern. Aber stimmt die Aussage überhaupt, dass ängstliche Hundehalter auch zu einem Angstverhalten bei Ihren Hunden führen? Nun befasst eine neue Studie  sich mit dieser Fragestellung.

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Angst ist eine Persönlichkeitseigenschaft

Unser Verhalten und Denken wird maßgeblich von unserer Persönlichkeit geprägt. Im wissenschaftlichen Sinne kann die Persönlichkeit als eine Sammlung von Eigenschaften und Einstellungen angesehen werden, die über die Zeit stabil bleiben. Diese führen dann zu dem charakteristischen Verhalten einer Person. Ein solches Persönlichkeitsmerkmal wird in der Psychologie als „Eigenschaftsangst“ bezeichnet. Je offensichtlicher die Angst der Menschen ist, desto schneller und heftiger nehmen sie ihre Umwelt als gefährlich wahr. Sie nehmen Situationen und Äußerungen als bedrohlicher wahr, als Personen mit einem geringeren Angstniveau. Menschen mit hohen Angstwerten schenkten potenziellen angstauslösenden Reizen mehr Aufmerksamkeit und erinnerten sich häufiger an negative Ereignisse als an positive.

Ängstliche Menschen = ängstliche Hunde?

In dieser Studie untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen dem Angstniveau von Hundebesitzern und dem Angstverhalten ihrer Hunde. Dabei suchten sie nach mehreren möglichen Gründen für den Zusammenhang. Einerseits können Hunde durch emotionale Verschiebungen das ängstliche Verhalten ihrer Bezugspersonen direkt übernehmen. Eine unzureichende Vertrautheit mit Umweltreizen durch übervorsichtiges Verhalten möglich kommt auch als mögliche Ursache in Betracht. Auf diese Weise kann der Halter dem Hund die Möglichkeit nehmen, sich selbstständig mit neuen Situationen und Reizen vertraut zu machen, die zunächst als bedrohlich empfunden wurden. Eine dritte Erklärung war, dass ängstliche Menschen während des Trainings eher Strafmaßnahmen ergriffen, was zu ängstlichem Verhalten bei Hunden führen könnte.

Insgesamt wertete die Studie Daten von mehr als 1.000 Hundehaltern aus, die für die Studie mehrere Fragebögen beantworteten. In Umfragen erfassten Wissenschaftler die Angstzustände der Menschen und das Angstverhalten von ihnen gehörenden Hunden. Darüber hinaus muss eine Untersuchung des Erziehungsstils und des über fürsorglichen Verhaltens abgeschlossen werden. Die Forscher interessierten sich auch dafür, wie gut die Hunde auf die Emotionen ihrer Besitzer reagierten.

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Ergebnis

Die Analyse der Daten zeigte, dass Hunde mit scheinbar ängstlichen Besitzern tatsächlich häufiger ängstliches Verhalten zeigten. Aufgrund der Ergebnisse ist es jedoch unwahrscheinlich, dass das ängstliche Verhalten des Hundes durch über fürsorgliche oder strafende Trainingsmethoden verursacht wurde. Hunde reagieren besonders sensibel auf menschliche Gefühlszustände und zeigen ein Verhalten, das deutlicher von menschlicher Angst beeinflusst wird. Dies unterstützt die Theorie der direkten Übertragung von Emotionen weiter. Ähnliche Beobachtungen wurden in Eltern-Kind-Beziehungen gemacht.

Allerdings gilt: Es handelt sich um eine rein deskriptive Untersuchung aus der sich nicht ohne Weiteres ein kausales Gefüge ableiten lässt. Darüber hinaus basierten die Daten der Studie ausschließlich auf den Selbstauskünften der Teilnehmer. Beispielsweise bewerteten ängstlichere Menschen ängstliches Verhalten ihres Vierbeiners signifikanter und stärker als weniger ängstliche Menschen.

Eine weitere offene Frage ist, welche Faktoren bestimmen, inwieweit Hunde von menschlichen Emotionen beeinflusst werden können. Zukünftige Forschung in diesem Bereich kann helfen, den richtigen Hund für jeden auszuwählen. Wir halten dich natürlich auf dem laufen, sollte es neue Ergebnisse zu dieser oder anderen Studien geben.

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